
Kurz gesagt: Eine Marke ist wertvoll, wenn Menschen sie kennen, ihr vertrauen und sie Wettbewerbern vorziehen, auch bei einem höheren Preis. Der Markenwert beschreibt diesen Vorsprung: verhaltensorientiert als Stärke der Marke in den Köpfen der Zielgruppe, finanziell als Geldbetrag, den die Marke für das Unternehmen erwirtschaftet. Für mittelständische Unternehmen wird der Markenwert spätestens beim Verkauf oder bei der Nachfolge zur harten Zahl.
Der Wert einer Marke entsteht in den Köpfen: durch das, was Menschen mit ihr verbinden, und durch das Verhalten, das daraus folgt. Fünf Faktoren sind dabei entscheidend:
Diese Faktoren entstehen über Jahre durch gute Leistung und konsistente Kommunikation. Wie Marken grundsätzlich aufgebaut werden, erklärt unser Beitrag Branding Basics.
Der Begriff Markenwert wird in zwei Bedeutungen verwendet. Der verhaltensorientierte Markenwert, oft auch Markenstärke oder Brand Equity genannt, beschreibt, wie Menschen über eine Marke denken und wie sie sich deshalb verhalten: Sie bevorzugen sie, zahlen mehr, empfehlen sie. Gemessen wird er über Befragungen, Bekanntheitswerte, Weiterempfehlungsbereitschaft oder Wiederkaufraten.
Der finanzielle Markenwert drückt aus, welchen Geldbetrag die Marke wert ist. Er ist relevant für Unternehmensverkauf, Lizenzvergabe, Bilanzierung nach einem Kauf, Finanzierung oder Streitfälle. Beide Sichtweisen hängen zusammen: Eine starke Marke in den Köpfen ist die Voraussetzung für zusätzliche Erträge, und diese Erträge bilden die Basis jeder finanziellen Bewertung.
Um den Markenwert zu ermitteln, wählen Fachleute je nach Anlass unterschiedliche Verfahren und Standards:
| Methode oder Standard | Ansatz | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| ISO 10668 (2010) | Internationale Norm für die monetäre Markenbewertung; beschreibt einkommens-, markt- und kostenorientierte Ansätze | Rahmen für finanzielle Bewertungen durch Gutachter |
| ISO 20671 (2019, heute ISO 20671-1:2021) | Norm für die Markenevaluation mit Elementen und Dimensionen wie Kunden, Markt, Recht und Finanzen | Steuerung und regelmäßige Bewertung der Markenstärke |
| Lizenzpreisanalogie | Welche Lizenzgebühr müsste das Unternehmen zahlen, wenn es die Marke nicht besäße? | Unternehmensverkauf, Kaufpreisaufteilung, Verrechnungspreise |
| Mehrgewinnmethode | Vergleich der Erträge mit einem markenlosen oder schwächeren Wettbewerber | Preispremium und Ertragsvorsprung sichtbar machen |
| Kostenorientierter Ansatz | Was würde es kosten, eine vergleichbare Marke neu aufzubauen? | Junge Marken, Plausibilitätsprüfung |
| Interbrand | Finanzanalyse, Rolle der Marke bei der Kaufentscheidung und Markenstärke | Ranking „Best Global Brands“ |
| Kantar BrandZ | Verbindet Konsumentenbefragungen mit Finanzdaten | Ranking der wertvollsten globalen Marken |
In Deutschland orientieren sich Wirtschaftsprüfer bei immateriellen Vermögenswerten zusätzlich am Standard IDW S 5. Für eine belastbare Bewertung, etwa im Rahmen eines Verkaufs, braucht es Fachleute aus Bewertung und Markenrecht. Die strategische Frage, welche Faktoren den Markenwert treiben, beantwortet eine Markenberatung.
Die bekanntesten Beispiele liefern die großen Rankings. In der Rangliste „Best Global Brands 2025“ von Interbrand stehen Apple, Microsoft und Amazon auf den ersten drei Plätzen; der Gesamtwert der 100 gelisteten Marken liegt laut Interbrand bei rund 3,6 Billionen US-Dollar. Solche Zahlen zeigen, welchen Anteil Marken am Unternehmenswert haben können. Für den Mittelstand ist ein einfaches Rechenbeispiel aufschlussreicher.
Vereinfachtes Beispiel nach der Lizenzpreisanalogie: Ein Hersteller erzielt 10 Millionen Euro Umsatz unter seiner Marke. Angenommen, eine marktübliche Lizenzrate für vergleichbare Marken liegt bei 2 Prozent, dann spart das Unternehmen jährlich 200.000 Euro Lizenzgebühr. Nach Steuern, angenommen 30 Prozent, bleiben 140.000 Euro. Bei einem Kapitalisierungszinssatz von 10 Prozent und unbegrenzter Nutzungsdauer ergibt sich vereinfacht ein Markenwert von rund 1,4 Millionen Euro. In der Praxis kommen Wachstumsannahmen, Risiken und eine genau begründete Lizenzrate hinzu. Das Beispiel zeigt aber, wie direkt eine stärkere Marke den Wert erhöht: Eine Marke, die einen höheren Preis oder mehr Umsatz trägt, rechtfertigt eine höhere Lizenzrate.
Für viele mittelständische Unternehmen steht in den nächsten Jahren der Generationswechsel an. Laut KfW-Nachfolge-Monitoring Mittelstand vom Januar 2026 streben rund 545.000 Inhaberinnen und Inhaber bis Ende 2029 eine Nachfolgeregelung an, also etwa 109.000 pro Jahr. 57 Prozent der Inhaber sind 55 Jahre oder älter. Ob die Übergabe an die Familie, an Mitarbeitende oder an einen externen Käufer geht: Der Wert des Unternehmens hängt stark davon ab, ob seine Marke auch ohne den Gründer oder die Gründerin trägt.
Käufer und Nachfolger achten dabei auf folgende Punkte:
Wer eine Marke verkaufen möchte, sollte ihren Wert deshalb mit zwei bis drei Jahren Vorlauf gezielt stärken. Oft ist eine behutsame Modernisierung des Auftritts der richtige Schritt, etwa durch einen Markenrelaunch, der Bewährtes erhält und die Marke für die nächste Generation öffnet.
Ein Handwerksbetrieb mit 40 Mitarbeitenden, seit drei Generationen in Familienhand, ist in seiner Region bekannt und hat volle Auftragsbücher. Der Inhaber möchte in einigen Jahren übergeben. Der Name steht für Qualität, der Auftritt stammt aus den 2000er-Jahren, der Firmenname ist nicht als Marke eingetragen, und viele Kunden verbinden den Betrieb vor allem mit dem Inhaber persönlich.
Hier lässt sich der Markenwert gezielt steigern: Marke schützen lassen, Positionierung und Werte festhalten, das Erscheinungsbild behutsam modernisieren, das Team und den künftigen Nachfolger sichtbar machen, Website und Bewertungen pflegen. So wird aus einem guten Ruf ein übertragbarer Vermögenswert. Für Industrieunternehmen, Stiftungen und Institutionen gilt dasselbe Prinzip: Eine Marke, die unabhängig von Einzelpersonen funktioniert, ist mehr wert und sichert die Zukunft der Organisation.
Der Markenwert beschreibt den Beitrag einer Marke zum Erfolg eines Unternehmens. Verhaltensorientiert misst er die Stärke der Marke bei der Zielgruppe, finanziell den Geldbetrag, den die Marke wert ist.
Für die finanzielle Bewertung nutzen Gutachter einkommens-, markt- oder kostenorientierte Verfahren, etwa die Lizenzpreisanalogie, orientiert an ISO 10668 und in Deutschland an IDW S 5. Die Markenstärke wird über Befragungen und Kennzahlen wie Bekanntheit und Weiterempfehlung gemessen.
Das hängt von den Erträgen ab, die die Marke ermöglicht, von ihrer rechtlichen Absicherung und davon, ob sie unabhängig von Ihrer Person funktioniert. Eine belastbare Zahl liefert ein Bewertungsgutachten; die Stärke der Marke können Sie im Vorfeld gezielt erhöhen.
Laut Interbrand führen 2025 Apple, Microsoft und Amazon das Ranking der wertvollsten Marken an. Für ein mittelständisches Unternehmen lässt sich der Wert vereinfacht über eine angenommene Lizenzrate auf den Umsatz berechnen.
Eine starke Marke senkt Vertriebs- und Recruitingaufwand, ermöglicht bessere Preise und erhöht den Unternehmenswert. Für mittelständische Unternehmen ist sie besonders bei Nachfolge und Verkauf ein entscheidender Vermögenswert.
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